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FRAG DAS CHEF

Das Leben ist ein Ponyhof

Bei der Kommunikation macht das „Was“ nur einen kleinen Teil des Erfolgs aus

Meine Nichte arbeitet an einem Reitstall in der Nähe von Potsdam und gibt dort Ponykurse für kleine Kinder. Dafür kriegt sie Geld für Zeit. Also eine ganz normale wirtschaftliche Transaktion.

In der Coronazeit erhält sie plötzlich eine WhatsApp vom Vorstand, ob sie nicht die Zwischenzeiten dem Verein spenden könnte und auf die Bezahlung dafür verzichtet, da bekanntlich die finanzielle Situation des Vereins schwierig ist. Die Zwischenzeiten sind die Zeiten außerhalb des eigentlichen Reitunterrichts. Ponies putzen, Koppel abmisten, auf die Reitstunde vorbereiten.

Eine valide Frage – insbesondere aus Sicht des Vereins. Inhaltlich korrekt.

Nach einmal Nachfragen kommt dann heraus, dass die WhatsApp gar nicht als Frage, sondern als Ansage gemeint war. „Du verrechnest das nicht“.

Was passiert? Meine Nichte hat diesen Nebenjob angenommen, um Geld für den Führerschein zu verdienen. Außerdem macht es ihr mittlerweile gar keinen Spaß mehr. Die Kinder sind fast so anstrengend wie deren Eltern, die Ponies unberechenbar und die Bezahlung sowieso schon an der Unterkante.

Sie ist wirklich demotiviert.

#Der Eisberg in Action

Bei der Kommunikation macht das „Was“ nur einen kleinen Teil des Erfolgs aus. Wichtiger sind das „Warum“ und das „Wie“. Die Teile des Kommunikationseisberges unter der Wasseroberfläche,

#Format Frame

Aus Sicht des Vorstands könnte eine andere Heransgehensweise Sinn machen. Eine schnell formulierte WhatsApp-Nachricht hat höchstes Potenzial für Missverständnisse und ungewollte emotionale Reaktionen.

Wertschätzend wäre ein persönliches Gespräch. „Du, hast Du mal ein paar Minuten Zeit für mich?“

Es folgt ein Vorschlag von mir  – alle Zahlen, Fakten und Aussagen sind fiktiv, und von mir absolut erfunden, es geht um die Form der Kommunikation:

Warum?

„Der Verein hat aufgrund der Einahme-Ausfälle in der Corona-Zeit ein echtes finanzielles Problem. Die Einnahmen sind um 80% Prozent zurückgegangen, während die Kosten fast gleichgeblieben sind. Das heißt wir machen derzeit einen Verlust von 5.000 € pro Monat.“

Was?

„Ich habe schon viel versucht. Ich habe die Mitglieder um Spenden gebeten, ich habe die anderen Reitlehrer wegen eines Verzicht eines Teils Ihrer Entlohnung angesprochen und wir haben die Preise für die Reitstunden angehoben.“

Wie?

„Ich weiß, dass Du das als Nebenjob machst, um Geld für Deinen Führerschein dazuzuverdienen. Und ich möchte Dich bitten, die Zwischenzeiten um die Ponies vorzubereiten, für das Abmieten der Koppel befristet bis September dem Verein zu spenden. Ich weiß, dass Dir das sowieso gerade keinen Spaß macht und finde es klasse, dass Du das trotzdem durchziehst. Toll, dass ich mich auf Dich verlassen kann.“ (1)

Was wenn ….

„Wenn ich diese ganzen Kostensenkungen durchkriege und Du auch einen Teil dazu leistest, dann können wir den Verein aufrecht erhalten. Ich denke, dass wir ab September nach den Schulferien wieder normalen Betrieb haben und dann können wir auf die normale Vergütung zurückgehen“

Was wenn nicht … 

„Wenn wir das nicht gemeinsam schaffen, ist der Verein spätestens im Oktober zahlungsunfähig. Dann müssten wir entweder dicht machen, oder jeder muss nochmal ganz viel Geld nachschießen. Wieviel das sein wird kann ich noch nicht sagen. Das wird dann wirklich knapp.“

Call to action

„Bitte denk doch mal darüber nach – es wäre echt klasse, wenn Du das befristet so machen könntest. Darf ich Dich dazu morgen nochmal anrufen? Vielen Dank!“

Schnell und effektiv

Das dauert bei mir keine Minute das zu sagen – zugegeben, die Vorbereitung dauert etwas länger – vielleicht 5 Minuten. Bei fünf Ponytrainerinnen dauert das ganze also insgesamt 10 Minuten. Und es wirkt.

#Nochmal Format Frame

  • Warum?
  • Was?
  • Wie?
  • Was wenn ….?
  • Was wenn nicht …?
  • (Call to action)

#Das Leben ist ein Ponyhof

Diese Struktur funktioniert sehr gut, wenn es um Entscheidungen geht, die ich in meinem Unternehmen oder überhaupt an andere Menschen kommunizieren will. Also nicht nur bei coronabedingtem Verzicht auf Vergütung sondern auch bei  allen anderen Änderungen, Strategiewechseln, Mitteilungen.

Und es dauert nicht lange – und spart viel Nachfragen, Frustration und Ärger.

(1) Hier hilft natürlich eine gute Beziehung – der Vorstand weiß, warum meine Nichte das macht und dass es gerade nicht so gut läuft. Eine Möglichkeit diese Beziehung herzustellen sind regelmäßige Gespräche.

Dein Christian

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2020-07-20T14:36:35+02:00Juli 20th, 2020|

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