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Einfach leben

EINFACH LEBEN

Ist weniger nun mehr?

Meine Familie und ich hatten eine spannende Unterhaltung über ein Buch, das meine Schwester gerade liest, zum Thema „Simplify your life“, „Weniger ist mehr“, „Declutter“, „Home Detox“ oder ganz einfach >> Einfach leben <<. Dieses Buch von Lina Jachmann ist sehr schön gestaltet und widmet sich dem „einfachen Leben“ in allen Bereichen.

Ich bleibe heute bei meinem Fachgebiet und konzentriere mich hier ausschließlich auf den textilen Überfluss, samt seiner immerwährenden Verlockung.

 

In einer Zeit, in der ich nur an Blümchenkleider denke und sie wie von galaktischen Mächten auf meine Social-Media-Kanäle geliefert werden, mit dem einzigen Ziel, baldig in MEINEM „Kleidertempel“ Einzug zu halten. Diese schicksalhaften Zeichen nahm ich bis vor zwei Jahren auch nur allzu gern in Empfang. Ich fand es damals einfach großartig, vor meinem üppig gefüllten Kleiderschrank zu stehen und zu regieren. Regiert hingegen hatte der Überfluss und meine damit einhergehende Ohnmacht bei der täglichen Kleiderfrage.

Genau deshalb finde ich es eine tolle Sache, Denkanstöße zu einem bedachteren Leben und Konsumverhalten zu bekommen.

 

Zurück zur Unterhaltung. Ich klatschte euphorisch in die Hände und erzählte voller Freude, dass ich vor zwei Jahren nach meiner eigenen Stilberatung hoch motiviert ausmistete und meine Garderobe umstellte. Jetzt lebe ich mit einer Art „Capsule Wardrobe“. Ich berichtete, wie prima ich das alles finde, denn seither kann ich deutlich schneller meine Tagesoutfits zusammenstellen. Der größte Nutzen liegt für mich allerdings im Minimieren der Entscheidungen und dem daraus resultierenden Zeitgewinn.

 

Dann gab es in der Runde kein Halten mehr. DUUU? Haha ... du hast doch so viele Klamotten! Das, was du unter ,Simplify your Life‘ verstehst, ist gelinde gesagt eine äußerst gestretchte Interpretation vom Eigentlichen.“ – Mhmm, … aha und ach so! Ja, genau, es gibt ja immer nur Schwarz und Weiß!? Quasi eine Schlechtwetterlage für Grauzonen-Liebhaber wie mich.

 

Da wir ja bekanntlich alle in unserer ganz eigenen Realität leben, erlebte ich in den vergangenen zwei Jahren viele glückliche und auch schmerzliche Momente auf Flohmärkten, Flohmarkt-Apps und vor Altkleidercontainern.

Beim Verkauf oder dem Versuch, meine Sachen zu verkaufen, litt ich selbstverständlich unter akutem Trennungsschmerz. Denn schließlich liebte ich fast jedes Teil. Manches hatte gar so viel ideellen Wert, dass ich den Preis so hoch ansetzte, dass es niemand mehr kaufen wollte. Doch auch diese Erfahrungen halfen mir beim Umdenken.

Bei so mancher Shoppingtour denke ich still daran, wie mühsam es ist, um 6 Uhr morgens den Flohmarktstand aufzubauen und dann auch noch für kleines Geld die guten Stücke zu „verhökern“. Ich bin heute also bedachter beim Einkauf und konsumiere somit weniger.

 

Folgende Fragen helfen mir dabei, Impulskäufe zu vermeiden:

 

1.    Macht die Passform einen guten Job an meiner Figur?

2.    Habe ich Kombinationsmöglichkeiten in meinem Kleiderschrank?

3.    Reflektiert das Kleidungsstück meinen Style?

4.    Reflektiert das Kleidungsstück, was ich als Person aussagen möchte?

5.    Wie fühle ich mich, wenn ich es trage?

6.    Sind Farbe, Muster und Materialbeschaffenheit vorteilhaft für mich?

7.    Wann und wo kann ich es tragen?

 

Ich kann voller Stolz sagen, dass ich heute 80 % meiner Kleider regelmäßig trage. Vor zwei Jahren waren es ggf. 30 %. Für mich funktioniert meine Interpretation des >>Einfach leben<< also hervorragend. Kann ich noch besser werden? Sicher!

 

Fakten:

Schweizer geben pro Jahr rund 2,2 % (2013) des Haushaltbudgets für 15 kg Bekleidung aus. 1950 waren es 11,1 % des Haushaltbudgets für 3,7 kg Bekleidung.

Quelle: Swiss Textiles Studie 2016

 

Letztlich wissen wir genau, warum wir dieses eine Teil nicht anziehen, auch wenn wir es eigentlich wunderschön finden. Es sind die Erinnerungen an diesen zauberhaften Urlaub oder an eine Zeit, in der wir mit zehn Kilo weniger auf der Waage standen.

 

Das tolle Gefühl, jeden Tag zu meinen Lieblingsteilen zu greifen, in denen ich mich wohl und gut angezogen fühle, ist eine absolute Bereicherung für mich.

 

Kleidung, Wirkung, Los!

 

Eure Katrin

 

 

Buch Empfehlung:

 

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